Donnerstag, 2. Februar 2017

Halbjahreszeugnisse und dann?


+++ aktuell +++
Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse steht an. Ich empfehle, sich schon zu diesem Zeitpunkt mit dem Thema Nichtversetzung oder Querversetzung auseinander zu setzen. Es ist nicht klug, bei schlechten Noten bis zu den Sommerferien abzuwarten und dann erst tätig zu werden.

→ Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse ist also ein guter Zeitpunkt, die Sache anzugehen. 

Beispielsweise: Nachhilfe buchen, sich in's Thema einlesen, sich vom Anwalt beraten lassen, Schule wechseln, freiwillige Wiederholung überlegen und natürlich rechtzeitig beantragen, etc.


Was sind Nichtversetzung oder Querversetzung? Eine Nichtversetzung oder eine Querversetzung ist die Folge einer schlechten Schülerleistung.

  • Bei einer Nichtversetzung wird die im Schuljahr zuvor besuchte Jahrgangsstufe wiederholt (Klasse wiederholen).
  • Bei einer Querversetzung steht der Wechsel der Schulform an (Wechsel Schulform). Es ist meist ein Wechsel von der Schulform Gymnasium auf die Schulform Realschule, mitunter auch auf die Schulform Hauptschule (soweit es diese in den Bundesländern noch gibt).
  • Querversetzung und Nichtversetzung können auch miteinander ausgesprochen werden. Beispielsweise kann ein Schüler der Jahrgangsstufe 6 eines Gymnasiums nicht versetzt und quer versetzt werden, mit der Folge, dass er das nächste Schuljahr in der Jahrgangsstufe 6 (= Nichtversetzung) und in der Schulform Realschule (= Querversetzung) zu besuchen habe.
  • Bei zweimaliger Nichtversetzung in derselben Jahrgangsstufe oder bei Nichtversetzung in zwei aufeinander folgenden Jahrgangsstufen hat der Schüler die besuchte Schule zu verlassen.


Nichtversetzung

Es ist zwar schon richtig, dass die Lehrkräfte die Aufgabe haben, die Leistungen eines Schülers zu ermitteln und dann zu bewerten. Bei der Leistungsermittlung und bei der anschließenden Leistungsbewertung können sich aber Fehler einschleichen, die vom Lehrer vergebene Note ist dann falsch.

Getreu dem Sprichwort: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler.

Fehler können bei der Leistungsermittlung passieren, auch bei der Leistungsbewertung oder in beiden Abschnitten.

Beispiele:
Ein Lehrer kann auch falsch gewichten, beispielsweise einer mündlichen Teilnote mehr Gewicht für die Gesamtnote zumessen als das Schulgesetz vorschreibt. Es kann auch der Fehler vorkommen, dass bei der Notengebung Nachteilsausgleich und Notenschutz nicht berücksichtigt wurden.

Einfach zu merken:
Sind die Zeugnis-Noten fehlerhaft, dann kann die Entscheidung „nicht versetzt“, die auf den Zeugnis-Noten fußt, auch nur fehlerhaft sein.


Entscheidung anfechten
Die Entscheidung der Schule "nicht versetzt" kann angefochten werden.
Damit wird der Wunsch deutlich gemacht, dass die vergebenen Noten und die darauf basierende Entscheidung der Nichtversetzung überprüft werden sollen.

Widerspruchsverfahren und Gerichtsverfahren sollen eben genau die Frage klären, ob bei der Notengebung "alles mit rechten Dingen zugegangen ist".


Eile ist geboten!
Für eine Anfechtung der Entscheidung "nicht versetzt" gelten Fristen, die unbedingt eingehalten werden müssen.

Um die Frage der Richtigkeit einer Nichtversetzung zu klären, haben Schüler und Eltern aber meist nur die 6 Wochen während den Sommerferien Zeit.

Am ersten Schultag des neuen Schuljahres muss nämlich klar sein, in welcher Jahrgangsstufe und in welcher Schulform der nicht versetzte bzw. querversetzte Schüler weiterlernen soll.

Allerdings ist das Widerspruchsverfahren als schwerfällig und langsam anzusehen, daher muss notwendigerweise das Gericht angerufen werden, das eine vorläufige Entscheidung in einer Art "Eilrechtsschutz" treffen kann.


zweimalige Nichtversetzung
Bei zweimaliger Nichtversetzung (derselben Jahrgangsstufe oder in zwei aufeinanderfolgenden Jahrgangsstufen) muss der Schüler seine Schule verlassen.

Im schlimmsten Falle kann ein Gymnasiast, wenn er zweimal in derselben Jahrgangsstufe nicht versetzt wird, einer Hauptschule zugewiesen werden.

In den zahlenmäßig meisten Fällen ist ein so bedingter Schulwechsel ein Abstieg.

→ Es kann daher als ein Muss angesehen werden, in einem solchen Fall die Überprüfung der Zeugnis-Noten und der Entscheidungen "nicht versetzt" beider (!) Schuljahre anzustrengen.


Querversetzung

Auch die Entscheidung der Schule "quer versetzt" kann angefochten werden. Damit wird der Wunsch deutlich gemacht, dass die vergebenen Noten und die darauf basierende Entscheidung der Querversetzung überprüft werden sollen.

Die Ausführungen zu Nichtversetzung passen – mit ein paar Abweichungen - auch hier.


Freiwilliges Wiederholen

Schüler und Eltern können aber auch der Meinung sein, dass die freiwillige Wiederholung einer Jahrgangsstufe sinnvoll ist. Dann müssen sie rechtzeitig einen entsprechenden Antrag stellen.

→ Der Zeitpunkt der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse ist eine gute Gelegenheit, sich über den rechtzeitig zu stellenden Antrag auf freiwilliges Wiederholen Gedanken zu machen.


Beurteilungsspielraum

Es ist anerkannt, dass es einen Beurteilungsspielraum eines Lehrers bei schulischen Leistungsbewertungen gibt.

Dies bedeutet, dass die Lehrer bei der Notenvergabe von Einschätzungen und Erfahrungen ausgehen, die sie im Laufe ihrer schulischen Prüfungspraxis bei vergleichbaren Schülern entwickelt haben und allgemein anwenden. Für vergleichbare Schüler müssen so weit wie möglich vergleichbare Prüfungsbedingungen und Bewertungskriterien gelten.

In den Verfahren wird nur geprüft,
ob gegen wesentliche Verfahrensregeln oder gegen Rechtsvorschriften oder gegen Grundrechte verstoßen wurde, oder ob gegen allgemein anerkannte pädagogische Grundsätze oder allgemeingültige Bewertungsmaßstäbe oder gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung der Schüler verstoßen wurde, oder ob von unrichtigen Voraussetzungen oder sachfremden Erwägungen ausgegangen wurde.


Beweisnot abwehren

Leider begegne ich immer wieder der Situation, dass Familien mir ein Zeugnis mit einer Note '5' in einem bestimmten Fach zeigen, die Familie sich aber sicher ist, dass im Laufe des Schuljahres in dem Fach doch gute Noten geschrieben worden sind, die Note mangelhaft erst einmal nicht erklärbar ist.

→ Daher ist es wichtig, dass Familien im Laufe eines Schuljahres selbst Aufzeichnungen machen.

Bewahren Sie mit der Schule oder mit den Lehrkräften Ihres Kinder ausgetauschte Mails auf. Nach einem Gespräch mit Lehrkräften Ihres Kindes fertigen Sie ein Gedächtnisprotokoll an.

Um bei der Anfechtung von Zeugnis-Noten nicht in Beweisnöte kommen zu können, empfehlen wir Schülern und ihren Eltern, selbst ein Notenblatt Notenliste zum Download zu führen und darin alle bekannten Einzelnoten jedes Schulfachs einzutragen und dies lange Zeit aufzubewahren.

In unserer heutigen modernen Zeit kann es auch schon weiter helfen, mit dem SmartPhone Fotos der gesamten Klassenarbeiten zu machen - zumindest ein Foto der Note, die am Ende der Arbeit steht.

In dem Falle, dass die Klassenarbeiten nicht an die Schule zurückgegeben werden müssen, dürfen Tests und Klassenarbeiten natürlich nicht weggeworfen, sondern müssen lange Zeit aufbewahrt werden.

Alle diese Maßnahmen können hilfreich sein, um im Falle einer Anfechtung von Nichtversetzung oder Querversetzung überzeugende Argumente vortragen zu können. Ihr Anliegen soll nicht pauschal mit der Aussage "unterfällt doch dem Beurteilungsspielraum des Lehrers" beantwortet werden.
     

Mittwoch, 25. Januar 2017

Schulbezirk wechsel dich

Ihr Kind möchte zusammen mit seinen Freunden eine bestimmte Grundschule besuchen. Was bedeutet eigentlich diese Vorschrift "Grundschulbezirk"? Bedeutsam für Ihr Kind, wenn Ihre Familie und die Freunde Ihres Kindes in verschiedenen Stadtteilen wohnen.

Es kann aber noch andere Gründe geben, warum Sie die zuständige Grundschule nicht für die "richtige" Grundschule halten.
  • Auf Antrag hin und aus wichtigem Grund kann der Besuch einer anderen als der zuständigen Schule durch Gestattung bzw. Zuweisung erfolgen.

Schulpflicht und Schulbezirk

Schulpflicht
In den deutschen Bundesländern gilt die Schulpflicht. Für Kinder, die das sechste Lebensjahr bis zu einem Stichtag vollendet haben, beginnt in der Regel die Schulpflicht.

Das verfassungsrechtlich gesicherte elterliche Erziehungsrecht gibt den Eltern grundsätzlich das Recht, eine Schule für ihr Kind zu bestimmen.

Allerdings kann das staatliche Schulwesen nicht jeder individuellen Begabung eines Kindes Rechnung tragen. Insofern können Eltern und Schüler - mit Einschränkungen - aus den vorhandenen „standardisierten“ Bildungseinrichtungen auswählen.
Den Begriff "freie Schulwahl" sollten Sie als Eltern daher nicht allzu wörtlich nehmen.

Schulbezirk

Ob eine Grundschule ein Kind aufnimmt, wird meist von dem Wohnort innerhalb eines Schulbezirks abhängig gemacht. Schüler gehen in die Grundschulen, in deren Bezirk sie bzw. ihre Eltern den Wohnsitz haben (Schulbezirk oder Schulsprengel). Schüler erfüllen ihre Schulpflicht in der jeweils örtlich zuständigen Grundschule.


Schulbezirkswechsel

Antrag
Möchten Sie Ihr Kind in einer "unzuständigen" Grundschule (Grundschule in einem anderen Stadtteil bzw. Stadtbezirk) einschulen bzw. beschulen lassen, so können

  • Sie als Eltern einen Antrag auf Gestattung des Besuchs einer anderen als der zuständigen Schule stellen - sog. Gestattungsantrag in Hessen -

  • bzw. Sie als Eltern in Rheinland-Pfalz können die Zuweisung an eine andere Grundschule beantragen.
   

Montag, 9. Januar 2017

aus dem Kind wird ein Schulkind


Die Reste der Silvesterraketen sind weggeräumt. Das neue Jahr ist schon wieder Alltag. Dennoch - in diesem Jahr wird aus Ihrem Kind ein Schulkind. Einschulungszeitpunkt „heuer“. Oder doch nicht, weil Sie den richtigen Zeitpunkt noch überlegen?


Einschulung - vorzeitige Einschulung - Zurückstellung
Schulpflicht zu einem Stichtag hin oder her. Eine vorzeitige Einschulung kann für jüngere begabte Kinder sinnvoll sein (Kann-Kinder). Ebenso sinnvoll kann es sein, ein an sich schulpflichtiges Kind vom Schulbesuch zurückzustellen.

Die Schulgesetze der Bundesländer sehen auch, dass Kinder unterschiedlich entwickelt sind und räumen die Möglichkeiten einer vorzeitigen Einschulung bei einem KannKind oder die spätere Einschulung durch Zurückstellung ein. Manches Bundesland nutzt auch die Formulierung Rückstellung, die Begriffe variieren also.

Den Antrag auf vorzeitige Einschulung oder den Antrag auf Zurückstellung vom Schulbesuch für schulpflichtige Kinder aus wichtigem Grund zu stellen, scheint scheinbar einfach zu sein. Das Internet gibt sich voll mit Hinweisen.

Wenn die Ablehnung des gestellten Antrags dann im Briefkasten liegt - was daraufhin tun?


Überprüfung vornehmen
Wird Ihr Antrag abgelehnt, so kann diese Ablehnung durch Widerspruch angefochten und sogar auch gerichtlich auf Richtigkeit hin überprüft werden.
   

Samstag, 31. Dezember 2016

Einen guten Rutsch ...




in ein wundervolles neues Jahr 2017
wünscht @bildungsanwalt Sibylle Schwarz
  

Montag, 14. November 2016

Zeitschrift Schule jetzt am Kiosk: Rechtsanwältin Sibylle Schwarz im Interview zu "schnell handeln"


Aktuelles Heft
...
Außerdem finden Sie darin unter anderem folgende Themen aus den Ressorts:

– Schneller handeln: Eine Schulrechtsanwältin über Notenprobleme, zu viel Geduld und die Frage, warum ein Gang zum Arzt oft wichtiger ist als der zum Anwalt.

hier aktuelles Heft bestellen


Dienstag, 1. November 2016

Eltern der Viertklässler aufgepasst!

Schulwahl. Sie haben den Informationsveranstaltungen gelauscht, sich die gewünschte Schule angesehen, Ihre Entscheidung gefällt. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, oder doch?

Es gibt Schulen mit einer bestimmten Sprachenfolge (z. B. Spanisch als 1. Fremdsprache oder Russisch als 3. Fremdsprache). Oder mit einer Musikklasse beispielsweise Streicher- oder Bläserklassen. Oder eine Schule mit einem MINT-Schwerpunkt, sogar mit MINT-Unterricht ausschließlich in englischer Sprache. Aber auch Halbtags- oder Ganztagsschule und die Angebote, die bestimmte Schulen am Nachmittag freiwillig oder verpflichtend anbieten, sind hier zu nennen.

Jetzt steht Ihre Entscheidung: Sie haben die richtige Schule ab Klasse 5 für Ihr Kind gefunden.

Aber es gibt ein Problem: Schüler und ihre Eltern dürfen nur den Bildungsgang (quasi Gymnasium oder Realschule) wählen, aber eben nicht die konkrete Einzelschule.

In das Antragsformular auf Wechsel in die weiterführende Schule können Sie die von Ihnen ausgesuchte und gewünschte Schule eintragen. Eine Garantie, dass Ihr Kind dort einen Schulplatz erhalten wird, gibt es nicht.

  • Denn ist der Anmeldeantrag "mißglückt" ausgefüllt, kann das später unvorteilhafte Auswirkungen haben - kein Schulplatz an Wunschschule.
  • Ein cleverer Anmeldeantrag hingegen macht den Erhalt des gewünschten Schulplatzes wahrscheinlicher. 

Sie können das ausgefüllte Antragsformular abgeben und einfach warten. Wird schon werden, können Sie hoffen.


Oder Sie holen sich vorher Rat.

Als Eltern sollten Sie das Antragsformular, sprich die Anmeldung/Bewerbung um einen Schulplatz, nicht allzu sehr auf die leichte Schulter nehmen.

Wir empfehlen, jetzt eine Beratung wahrzunehmen. 
Erfahren Sie in der Beratung, welche Rechte Ihr Kind und Sie als Eltern haben. Lassen Sie sich bei der Angabe Erstwunsch oder Zweitwunsch und bei der Begründung des Antrags unterstützen. Lernen Sie die Kniffe kennen. Eine geschickte Bewerbung macht den Erhalt des Schulplatzes wahrscheinlicher.


Hier aktuelle Beiträge, wenn Sie zu dem Thema Schulwechsel mehr lesen möchten:

   

Dienstag, 18. Oktober 2016

Semesterbeginn: guter Start


bildungsanwalt wünscht den "Erstis" und den Studierenden
einen guten Start in ein erfolgreiches Semester. 
Tipps für den Prüfungserfolg können hier auf dem Blog nachgelesen werden.
  

Montag, 10. Oktober 2016

Notenliste - jetzt Download

Die ersten Klassenarbeiten wurden längst schon geschrieben, in den nächsten Wochen sind in den meisten Bundesländern erst einmal Herbstferien. Ein guter Zeitpunkt also, den Download der school report Notenliste vorzunehmen.

Bereits die Ergebnisse der zweiten Klassenarbeiten können Sie in dem Ausdruck vermerken. Sie haben dadurch stets den Überblick und können Ihr Kind optimal unterstützen.


Hier geht's zum Download der school report Notenliste und zu den Ausfüllhinweisen.

Dienstag, 30. August 2016

guter Schulstart



In den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz hat am Montag das neue Schuljahr begonnen. Heute wurden die Erstklässler eingeschult. Es hat ein hoffentlich gutes und erfolgreiches Schuljahr für alle Schüler begonnen.

Bei aller Freude über die Einschulung und darüber, nach den Sommerferien wieder mit den Freunden zusammen zu sein, auch im neuen Schuljahr kann es zu problematischen Situationen kommen. Guter und vor allem rechtzeitiger Rat helfen weiter.

  • In allen Bundesländern herrscht die Schulpflicht. Doch nicht jede Familie kann und will ihr Kind in die Schule schicken. Eine Schülerin, die zuhause lernte, erzählt nun in der Frankfurter Rundschau von ihrem Schulalltag.

Artikel FR


  • Auf den Seiten dieses Blogs finden Sie viele praxiserprobte Tipps. Diese können eine erste Hilfestellung sein. Im abgelaufenen Schuljahr habe ich nämlich oft von Eltern gehört, dass sie sich besser viel früher Rat geholt hätten. Scheuen Sie sich als Eltern nicht, Ärzte, Psychologen, Apotheker, Rechtsanwälte um deren Einschätzung zu bitten. Lieber einmal zu viel gefragt als zu wenig.

  • Wenn Ihr Kind unter einer Erkrankung oder Behinderung leidet, stellen Sie jetzt zu Beginn dieses neuen Schuljahres (wieder) einen Nachteilsausgleich. Verfolgen Sie genau, dass der Nachteilsausgleich auch tatsächlich gewährt wird.

  • Unsere Notenliste ist ein nützlicher Helfer. Tragen Sie schon von Anbeginn an die Noten Ihres Kindes dort ein.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Irrtümer über Zeugnisse halten sich hartnäckig


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Irrtum 1
Oft höre ich, dass ein Zeugnis, das schlechte Noten enthalte, vom Elternteil nicht unterschrieben werden dürfe. Dahinter steckt wohl die Angst der Eltern, durch eine getätigte Unterschrift etwas anzuerkennen.

Die Unterschrift der Mutter oder des Vaters auf dem Zeugnis als urkundlicher Nachweis bestätigt nur, dass Kenntnis davon genommen worden ist. 

Es kann ganz deutlich gesagt werden:
Mit der Unterschrift wird keine Waschmaschine bestellt, es wird auf keine Rechtsschutzmöglichkeit verzichtet, eine als ungerechtfertigt angesehene Note wird nicht anerkannt.

Wenn das Zeugnis von einem Elternteil unterschrieben worden ist, kann danach ohne jegliche Probleme Widerspruch gegen das Zeugnis erhoben werden. Rechtsschutzmöglichkeiten wurden durch die Unterschrift auf dem Zeugnis nämlich überhautp nicht ausgeschlossen.

Als Mutter oder Vater können Sie das Zeugnis Ihres Kindes ruhigen Gewissens unterschreiben.

Irrtum 2
Weiterhin hält sich eine Fehlvorstellung auch ziemlich hartnäckig: 
Während der 6 Wochen Sommerferien ist die Schule komplett geschlossen und die Lehrer haben solange Ferien.

Natürlich dürfen Menschen, die in einer Schule arbeiten, auch in den Sommerferien Urlaub machen. Sechs Wochen lang auf Hawaii am Strand liegen oder sechs Wochen lang die Schule nicht betreten müssen, ist aber völliger Unsinn.

Mitglieder der Schulleitung sind in den Sommerferien fast durchgängig anwesend.

Lehrkräfte müssen meist ab Ferienwoche 5 schon wieder in die Schule - sie müssen an Konferenzen teilnehmen, Nachprüfungen abhalten, etc.

Mitarbeiter in Schulbehörden sind von den Sommerferien unabhängig.

Während den Sommerferien wird in Schulen und in Schulbehörden gearbeitet (meistens).

Dienstag, 14. Juni 2016

Regeln gelten nicht nur bei der EM


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Regeln gelten in jeder Prüfung. Und wer nicht nach den Regeln spielt, wird mit roter Karte vom Platz geschickt.


Egal ob Klassenarbeit, Vokabeltest, Abiturprüfung, IHK-Abschlussprüfung, Modulprüfung, Bachelorprüfung, Masterprüfung, Zwischenprüfung, Laufbahnprüfung, Jura - Staatsexamen, Zweite Pädagogische Staatsprüfung, Facharztprüfung - es gelten Regeln.

Ausbildungsordnungen und Prüfungsordnungen sowie 16 Landes-Schulgesetze bestimmen die maßgeblichen Regeln für den Ausbildungsverlauf und für die Prüfung, sie geben dem Prüfling* Rechte und legen ihm (Mitwirkungs-) Pflichten auf.

Beispiel 1:
Wenn Sie als Prüfling mal eben schnell nur eine Mail senden, obwohl Ihre Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Modulprüfung die Anmeldung via Online-System vorschreibt, dann haben Sie die Anmeldung nicht nach den Vorschriften der Ausbildungs- und Prüfungsordnung vorgenommen. 
Weil Sie sich nicht nach den Vorschriften zur Prüfung angemeldet haben, dürfen Sie die Klausur nicht mitschreiben. 
Besonders schlimm kann es werden, wenn diese Modulprüfung erst wieder im nächsten oder übernächsten Semester angeboten wird. Probleme sind dann vorprogrammiert - etwa Höchststudiendauer wird überschritten.

Beispiel 2:
Obwohl das Schulgesetz eine Bearbeitungsdauer von 2 Stunden für die Klassenarbeit vorschreibt, wird einem Schüler die Klassenarbeit vom Lehrer schon nach einer Stunde abgenommen.

Im Beispiel 1 hat der Prüfling* gegen die Regeln verstoßen, in Beispiel 2 die Prüfungsbehörde. Die beiden Beispiele illustrieren die Nichteinhaltung von bzw. einen Verstoß gegen Vorschriften einer Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung bzw. eines Schulgesetzes. 

In vielen Zulassungsverfahren erklärt der Prüfling in seinem Antrag auf Zulassung sogar ausdrücklich, dass ihm die Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung bekannt ist.

Ich rate jedem Prüfling daher, sich lange vor der Prüfung seine Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung (für Schüler und ihre Eltern: Schulgesetz) genau anzusehen. Hauptsächlich aus dem einfachen Grund: Eigene Fehler vermeiden macht den Prüfungserfolg wahrscheinlicher (Beispiel 1). 

Aber auch, weil manche Prüfungsbehörde oder manche Prüfer/Lehrer die Vorschriften der Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung bzw. des Schulgesetzes selbst nicht kennen. Sie können dann eine ahnungslose Prüfungsbehörde erkennen und entsprechend handeln (Beispiel 2).


Rechnen Sie damit, dass Lehrer, Prüfer oder Prüfungsbehörde Fehler machen. 


Wenn Sie dies nicht glauben mögen - hier ein Beispiel aus unserer Praxis: 

Eine junge Studentin buchte eine Beratung bei uns. Es ging ihr nicht gut. Die mündliche Prüfung hatte sie mit guter Note abgeschlossen, aber die schriftlichen Klausuren in allen drei Versuchen nicht bestanden. Die Hochschule sandte ihr das Schreiben 'Abschluss endgültig nicht bestanden und exmatrikuliert'. 

Wir Anwälte fanden heraus, dass zum Bestehen des Moduls eine bestandene mündliche Prüfung vollkommen ausreichte. Die Studentin hatte sich durch schriftliche Prüfungen gequält, die sie überhaupt nicht hätte ablegen müssen. Schlimmer noch, sie sollte sogar ohne Abschluss rausgeworfen werden, weil ihre Hochschule im Irrtum über Vorschriften der Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung war.


Hier sind meine Tipps:


Es ist also klug, wenn wenigstens ein Beteiligter der Prüfung - Sie als Student, Azubi, Anwärter - die Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung vorher gelesen hat. 
Und wenn Sie als Prüfling beim Lesen feststellen, dass die Ausbildungs- und Prüfungsordnung schwer oder erst gar nicht verständlich ist im Hinblick auf etwaig drohendes Problem, dann nicht einfach beiseite legen. Es empfiehlt sich, einen Anwalt um "Übersetzung" zu bitten.


Für SchülerInnen und Eltern bedeuten diese Ausführungen: Schulgesetz und dazugehörige Verordnungen ansehen. 
Auch hier gilt, wenn Sie als Schüler oder Eltern beim Lesen feststellen, dass das Schulgesetz und die dazugehörenden Verordnungen schwer oder erst gar nicht verständlich sind im Hinblick auf etwaig drohendes Problem, dann nicht einfach beiseite legen. Es empfiehlt sich, einen Anwalt um "Übersetzung" zu bitten.


* Prüfling ist als Oberbegriff für Schüler, Privatschüler, Studenten, Referendare, Azubis, Anwärter zu verstehen. Der eine Begriff erleichtert den Lesefluss.