Donnerstag, 21. Mai 2015

krank vor / während Prüfung

Bemerkt ein Prüfling* bei sich "innere Einwirkungen" wie Krankheit oder tauchen vor oder während der Prüfung gesundheitliche Beeinträchtigungen auf, dann stellt sich für den Prüfling die mitunter schwierige Frage, ob er prüfungsunfähig sei und seine Prüfung (bzw. Prüfungsteile) abbricht oder fortsetzt.

Bei Prüfungsunfähigkeit fordern die meisten Prüfungsordnungen, dass die Krankheit mitgeteilt und der Rücktritt von der Prüfung (bzw. von Prüfungsteilen) unverzüglich unmissverständlich erklärt wird. Überwiegend wird die Vorlage eines Attestes verlangt.

Vielfach ist einem Prüfling aber nicht klar, ob die gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf prüfungsbedingter Nervosität beruhen, oder ob sie echten Krankheitswert haben.

In solchen Zweifelsfällen verlangt die Rechtsprechung vom Prüfling, die Ursachen der Beeinträchtigungen seines Gesundheitszustandes auch mit Hilfe eines Arztes aufzuklären. 

Sinnvollerweise sucht daher der Prüfling einen Amtsarzt, zumindest aber einen Facharzt oder Arzt sofort auf, wenn er gesundheitliche Beeinträchtigungen bei sich bemerkt. Eine Aufklärung der Ursachen der Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes kann dann vorgenommen und ein Attest ausgestellt werden.

TIPP Ratsam ist daher, bei Zweifeln schnellstmöglich eine ärztliche Abklärung vorzunehmen. 


Mit einer Diagnose oder mit Entwarnung in der Hand kann dann überlegt werden, Rücktritt von der Prüfung zu erklären oder eben nicht. Ein kurzfristiger Arztbesuch kann für viel Klarheit sorgen. Außerdem muss auch der Nachweis des Krankheitszustandes gegenüber der Prüfungsbehörde / Schule gelingen, wenn die Diagnose des Arztes "krank" lautet und der Rücktritt erklärt werden soll.

TIPP schnell handeln!


Der Prüfling darf mit der ärztlichen / fachärztlichen / amtsärztlichen Aufklärung seiner Befindlichkeiten und mit der Erklärung des Rücktritts gegenüber der Ausbildungsstätte keinesfalls zu lange warten. 

Die Gerichte fordern immer wieder, der Prüfling müsse unverzüglich handeln. An die Unverzüglichkeit des Rücktritts von der Prüfung wird von den Gerichten ein strenger Maßstab angelegt. So haben die Gericht immer wieder entschieden:

"Nach den allgemeinen Grundsätzen des Prüfungsrechts ist es Sache des Prüflings, sich darüber Klarheit zu verschaffen, ob seine Leistungsfähigkeit durch außergewöhnliche Umstände, insbesondere durch Krankheit, erheblich beeinträchtigt ist,
und bejahendenfalls daraus unverzüglich die in der jeweiligen Prüfungsordnung vorgesehenen Konsequenzen zu ziehen, und zwar bei krankheitsbedingter Prüfungsunfähigkeit grundsätzlich vor Beginn der Prüfung, spätestens aber dann, wenn er sich ihrer bewusst geworden ist. ..."

"Diese ärztliche Begutachtung des Klägers nach der Klausur hat jedoch nicht zeitnah stattgefunden. ... dass der nachträgliche Rücktritt unverzüglich geltend gemacht wird, wobei an die Unverzüglichkeit ein strenger Maßstab anzulegen ist."

Unverzüglich kann je nach den Umständen des Einzelfalls nämlich bedeuten:
Es kann sein, dass eine Rücktrittserklärung unter Vorlage eines ärztlichen / fachärztlichen / amtsärztlichen Attestes am Tag der Prüfung vorgenommen werden muss, damit der erklärte Rücktritt als unverzüglich gilt.

Wenn sich der Prüfling in Kenntnis seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen einer Prüfung unterzieht, kann er im Falle der dann nicht bestandenen Prüfung - von seltenen Ausnahmen abgesehen - keine neue Prüfungschance bekommen.


* Prüfling ist als Oberbegriff für Schüler, Privatschüler, Studenten, Referendare, Azubis, Anwärter zu verstehen. Der eine Begriff erleichtert den Lesefluss.





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