Mittwoch, 27. Mai 2015

Täuschung / Prüfungsbetrug

Eine Prüfung verfolgt den Zweck, Wissen und Fähigkeiten eines Prüflings* zu ermitteln. Der Zweck einer Prüfung, nämlich eine Aussage über Wissen und Fähigkeiten einer Person treffen zu können, kann aber nur dann erreicht werden, wenn der Prüfling eine eigene persönliche Leistung erbringt.

Wenn ein Prüfling nun in einer Prüfung - beispielsweise unter Zuhilfenahme von Spickzetteln, durch Abschreiben oder durch die Verwendung sog. nicht zugelassener Hilfsmittel - Wissen und Fähigkeiten "vorgaukelt", dann kann es durch das Vortäuschen zunächst zu einem Prüfungserfolg kommen. Eine zuverlässige Aussage über das beim Prüfling vorhandene tatsächliche Wissen und über seine wirklichen Fähigkeiten kann aber nicht getroffen werden. 

Bei einer Täuschung ist der Zweck der Prüfung als nicht erreicht anzusehen.

Einer Täuschung des Prüflings (Prüfungsbetrug) wird mit unterschiedlichen Sanktionen begegnet. So kann eine mündliche Verwarnung ausreichend sein. Oder aber die betroffene Prüfungsleistung wird mit "0 Punkte" bewertet. Es kann auch die Wiederholung der Prüfungsleistung ausgeschlossen werden. In Fällen, in denen ein schwerwiegender Betrug begangen worden ist, kann auch die gesamte Prüfung für nicht bestanden erklärt werden.

Ist die Prüfungsbehörde der Ansicht, dass ein Prüfling getäuscht habe, so trägt sie dafür die Beweislast. 

Die Prüfungsbehörde ist aber zunächst einmal zuständig, vor der Prüfung zu bestimmen, was ein nicht zugelassenes Hilfsmittel ist. Mittlerweile muss mit der Zeit gegangen werden, vielmehr mit dem technischen Fortschritt. Sog. Smartwatches und internetfähige Brillen werden als nicht zugelassene Hilfsmittel anzusehen sein.

"An der Uni Bern sind bei den Prüfungen künftig «keine persönlichen Uhren» mehr erlaubt." 


Die Täuschungshandlung eines Prüflings führt nicht automatisch zu einer Verletzung der Chancengleichheit der Mitprüflinge. Das Prüfungsergebnis der einen wird nicht deshalb unrichtig, weil andere Prüfungsabsolventen bessere Noten erschlichen haben.


* Prüfling ist als Oberbegriff für Schüler, Privatschüler, Studenten, Referendare, Azubis, Anwärter zu verstehen. Der eine Begriff erleichtert den Lesefluss.