Mittwoch, 10. Juni 2015

aus aktuellem Anlass: Schulwahl

Für Schüler und ihre Familien ist die Wahl der Schule ab Klasse 5 auch in diesem Jahr wieder nicht leicht, wenn sich ihnen G8-Gymnasium oder G9-Gymnasium oder Gesamtschule oder Gymnasium als ein Rückkehrer zu G9 (oder doch noch nicht) oder sogar Gymnasium mit G8 und G9 parallel anbieten.

Manche Familie möchte ihr Kind unbedingt auf einem G9-Gymnasium beschulen lassen, dass die behördliche Schülerlenkung G8 entscheiden könnte, sorgt anscheinend für Angst. Manches Kind soll einmal durch die Stadt fahren müssen, um zu seiner Schule zu gelangen.

Leider besteht seit Jahren die immer gleiche Problematik:
Schüler und ihre Eltern dürfen nur den Bildungsgang (quasi Gymnasium oder Realschule) wählen,
aber eben nicht die konkrete Einzelschule. 


Wahl der konkreten Schule - Schwerpunkte, Profile, Sprachenfolge, Abschlüsse
Zumeist Gymnasien unterscheiden sich aufgrund von Schwerpunktbildungen, Profilen, Zertifizierungen oder erreichbaren Abschlüssen so weit voneinander, dass im Vergleich der Gymnasien miteinander von identischen Schulen längst nicht mehr gesprochen werden kann.

Gymnasien bilden fachliche Schwerpunkte aus, schaffen sich ein individuelles pädagogisches Profil oder bieten neben dem Abitur weitere Abschlüsse an (z. B. IB). Es gibt Schulen mit einer bestimmten Sprachenfolge (z. B. Spanisch als 1. Fremdsprache oder Russisch als 3. Fremdsprache), oder mit einer Musikklasse, oder mit MINT-Schwerpunkt, sogar mit MINT-Unterricht ausschließlich in englischer Sprache.

Aber auch Halbtags- oder Ganztagsschule und die Angebote, die bestimmte Schulen am Nachmittag freiwillig oder verpflichtend anbieten, sind hier zu nennen.

Alle Gymnasien halten zwar einen Unterricht entsprechend den Vorgaben des Lehrplans Gymnasium ab und verleihen den Abschluss Abitur, der Unterricht kann aber nur als „gymnasiale Grundversorgung“ angesehen werden.

Gymnasien bieten nämlich darüberhinaus Zusätzliches an. Hochschulen und mögliche spätere Arbeitgeber schauen nicht nur auf den Abschluss Abitur, ein einzelnes Fach mit einer bestimmten Note oder eine Fremdsprache mit einem bestimmten erreichten Level geben manchmal den Ausschlag für den Studienplatz oder den Job.

Die häufig anzutreffende Meinung, an jedem Gymnasium kann der Abschluss Abitur erreicht werden, das reiche ja wohl - dies wird den Anforderungen der heutigen Zeit in keinster Weise mehr gerecht.


Bewerbung um Schulplatz abgelehnt
Probleme des Zugangs zu diesen besonderen Schulen sind vorprogrammiert:
Wünschen Schüler und ihre Eltern den Zugang zu einer solchen - mit besonderem Profil und schulindividuellen Zusatzangeboten ausgestatteten - konkreten Schule, erhalten sie aber einen Schulplatz lediglich an einem "herkömmlichen Gymnasium mit nur gymnasialer Grundversorgung" oder an einem Gymnasium mit völlig anderem Profil, dann ist die Enttäuschung groß.

Leicht zu verstehen, dass eine 'Sportskanone' auf einem humanistischem Gymnasium mit Latein und Altgriechisch eher falsch ist.


noch freie Plätze?
Es stellt sich daher die Frage, ob vorhandene freie Kapazitäten vollständig ausgeschöpft wurden, wenn bestimmte Profil-Schulen beliebt sind und dort mehr Bewerbungen eingehen als Schulplätze vorhanden sind.

In der Rechtsprechung wird ausgeführt, dass wegen des verfassungsrechtlichen Anspruchs auf Erziehung und Bildung regelmäßig eine vollständige Ausschöpfung, ggf. sogar eine Überschreitung / Ausweitung der Kapazitäten verlangt werden muss. Zumindest müssen Schulen ihre Kapazitäten richtig berechnen, ausschöpfen und vorhandene Schulplätze an Bewerber vergeben.

In den Jahren unserer Tätigkeit hat sich allerdings gezeigt, dass es auch bei der Schulwahl "Trends" gibt.

In einem Jahr ist eine bestimmte Schule mehrfach überwählt, im Jahr darauf ist die Kapazitätssituation schon deutlich entspannter. Jedes Jahr ist anders. Vor allem hat das Hickhack um G8 und eine G9-Rückkehr die Kapazitätssituation ziemlich durcheinandergewirbelt.

Zu den Zeiten als es nur G8 gab, wichen Schüler und ihre Eltern auf Gesamtschulen mit 9-jähriger Gymnasialdauer aus.

Gymnasien, die zu G9 zurückgekehrt sind, sind überwählt, möglicherweise haben Gesamtschulen und G8-Gymnasien aber noch freie Plätze.


Schulplatzklage beauftragen?
Im Hochschulwesen sind Studienplatzklagen bekannt.Die freien Kapazitäten an begehrten Schulen sind begrenzt, daher wird ein Schüler einen freien Platz meist nur mit anwaltlicher Unterstützung in den Verfahren ergattern können.

Die Aufnahme in die weiterführende Wunsch-Schule wird oft nur über den Weg der Schulplatzklage gelingen.

Hierbei handelt es sich um ein Verfahren des Eilrechtsschutzes beim Verwaltungsgericht, das vielleicht einen Monat dauert. Es ist sinnvoll, dass dieses gerichtliche Verfahren ein fachkundiger Anwalt führt.




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