Dienstag, 2. Juni 2015

in der Prüfung - Rüge wegen Störungen erheben?

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Es ist Sommer.
Wer nun an einem heissen Sommertag statt in der Eisdiele in der Prüfung sitzen muss, sollte folgenden Prüfungstipp beachten:

Ist nach der persönlichen Ansicht eines Prüflings* der Prüfungsablauf durch "äußere Einwirkungen" wie z. B. Hitze, Sonneneinstrahlung, (Bau-) Lärm, Unruhe im Prüfungsraum oder im Winter Kälte gestört, wird ihm - dem Prüfling - in der Regel abverlangt, diese Störungen sofort zu rügen. Sofort bedeutet dabei meistens "schon während der laufenden Prüfung".

Allerdings sind ein gelegentliches Hundebellen oder mal ein Donnerschlag nicht als störende Einwirkungen anzusehen, da sie nur eine einmalige kurze Lärmbelästigung darstellen.

Störungen wie z. B. Hitze, Sonneneinstrahlung, (Bau-) Lärm, Unruhe im Prüfungsraum oder im Winter Kälte können nämlich dazu führen, dass sich der Prüfling auf seine Prüfungsleistung nicht konzentrieren kann, er seine wahren Kenntnisse und Fähigkeiten vielleicht nicht zeigen kann.

Erkennt der Prüfling also solche Störungen während der Prüfung oder Fehler des Prüfungsablaufs, so ist er verpflichtet, die Störung / den Fehler sofort und konkret in der noch laufenden Prüfung durch eine Rüge zu benennen. Er geht zur Aufsichtsperson und "motzt" (rechtlicher Begriff: Rüge erheben). Manche Prüfungsordnungen sehen auch genaue Fristen oder eine bestimmte Form für dann schriftliche Rügen vor.

Durch die vom Prüfling erhobene Rüge erfährt die Prüfungsbehörde (die Aufseher im Prüfungsraum) meistens überhaupt erst von der Störung (ein Prüfling wird an seinem Arbeitsplatz durch die Sonne geblendet). Die Prüfungsbehörde

  • kann danach eine rechtzeitige Unterbindung der Störung veranlassen (z. B. Sonnenrollo), 
  • einen Ausgleich (z. B. Schreibverlängerung) anbieten,
  • oder die Rüge vermerken, wobei der Vermerk dann auch einer möglicherweise nötigen, späteren Sachverhaltsaufklärung dienen kann.


Unterlässt es der Prüfling aber, Störungen oder Fehler durch Rüge sofort bzw. innerhalb von (kurzen) Fristen der Prüfungsordnung zu benennen, dann treten bei ihm Rechtsverluste in dem Sinne ein, dass er mit späteren Beanstandungen nicht mehr durchdringt. 

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat in einer Entscheidung (wie viele andere Gerichte auch) wieder bestätigt:

"Selbst wenn man zugunsten der Klägerin davon ausginge, dass sich hier ausnahmsweise ein Fehler ... auf die Rechtmäßigkeit der Prüfungsentscheidung auswirken könnte, so ist eine Berufung der Klägerin hierauf aber jedenfalls deshalb ausgeschlossen, weil sie ... vor Antritt der Prüfung hätte rügen müssen, was sie nicht getan hat."

Nach Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses und ohne erhobene Rüge kann der Prüfling dann nicht fordern, dass die Prüfung zu wiederholen oder die Note zu verbessern sei, weil das schlechte Prüfungsergebnis nur durch die blendende Sonne an seinem Arbeitsplatz während der Prüfung verursacht worden sei.



* Prüfling ist als Oberbegriff für Schüler, Privatschüler, Studenten, Referendare, Azubis, Anwärter zu verstehen. Der eine Begriff erleichtert den Lesefluss.