Montag, 15. Juni 2015

Regeln gelten nicht nur beim Fussball ...

Regeln gelten in jeder Prüfung. Und wer nicht nach den Regeln spielt, wird mit roter Karte vom Platz geschickt.

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Egal ob Klassenarbeit, Vokabeltest, Abiturprüfung, IHK-Abschlussprüfung, Modulprüfung, Bachelorprüfung, Masterprüfung, Zwischenprüfung, Laufbahnprüfung, Jura - Staatsexamen, Zweite Pädagogische Staatsprüfung, Facharztprüfung - es gibt Regeln.

Ausbildungsordnungen und Prüfungsordnungen sowie 16 Landes-Schulgesetze bestimmen die maßgeblichen Regeln für den Ausbildungsverlauf und für die Prüfung, sie geben dem Prüfling* Rechte und legen ihm (Mitwirkungs-) Pflichten auf.

Beispiel 1:
Wenn Sie als Prüfling mal eben schnell nur eine Mail senden, obwohl Ihre Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Modulprüfung die Anmeldung via Online-System vorschreibt, dann haben Sie die Anmeldung nicht nach den Vorschriften der Ausbildungs- und Prüfungsordnung vorgenommen. 
Weil Sie sich nicht nach den Vorschriften zur Prüfung angemeldet haben, dürfen Sie die Klausur nicht mitschreiben. 
Besonders schlimm kann es werden, wenn diese Modulprüfung erst wieder im nächsten oder übernächsten Semester angeboten wird. Probleme sind dann vorprogrammiert - etwa Höchststudiendauer wird überschritten.

Beispiel 2:
Obwohl das Schulgesetz eine Bearbeitungsdauer von 2 Stunden für die Klassenarbeit vorschreibt, wird einem Schüler die Klassenarbeit vom Lehrer schon nach einer Stunde abgenommen.


Die beiden Beispiele illustrieren die Nichteinhaltung von bzw. einen Verstoß gegen Vorschriften einer Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung bzw. eines Schulgesetzes.

In vielen Zulassungsverfahren erklärt der Prüfling in seinem Antrag auf Zulassung sogar ausdrücklich, dass die Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung bekannt ist.

Ich rate jedem Prüfling daher, sich lange vor der Prüfung seine Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung (für Schüler und ihre Eltern: Schulgesetz) genau anzusehen. Hauptsächlich aus dem einfachen Grund: Eigene Fehler vermeiden macht den Prüfungserfolg wahrscheinlicher (Beispiel 1). 

Aber auch, weil manche Prüfungsbehörde oder mancher Prüfer/Lehrer die Vorschriften der Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung bzw. des Schulgesetzes selbst nicht kennen. Dies können Sie dann erkennen (Beispiel 2).

Rechnen Sie damit, dass Lehrer, Prüfer oder Prüfungsbehörde Fehler machen. Wenn Sie dies nicht glauben mögen - hier ein Beispiel aus unserer Praxis: 

Eine junge Studentin buchte eine Beratung bei uns. Es ging ihr nicht gut. Die mündliche Prüfung hatte sie mit guter Note abgeschlossen, aber die schriftlichen Klausuren in allen drei Versuchen nicht bestanden. Die Hochschule sandte ihr das Schreiben 'Abschluss endgültig nicht bestanden und exmatrikuliert'. 

Wir Anwälte fanden heraus, dass zum Bestehen des Moduls eine bestandene mündliche Prüfung vollkommen ausreichte. Die Studentin hatte sich durch schriftliche Prüfungen gequält, die sie überhaupt nicht hätte ablegen müssen. Schlimmer noch, sie sollte sogar ohne Abschluss rausgeworfen werden, weil ihre Hochschule im Irrtum über Vorschriften der Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung war.

Ein brandaktuelles Beispiel möchte ich auch noch nennen:
Armin Laschet, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen, hat an der RWTH Aachen ein Seminar abgehalten und eine Klausur schreiben lassen. Die Klausuren hat Laschet aber verloren. Er hat dann nach seiner eigenen Aussage die Noten 'rekonstruiert', angeblich anhand von gemachten Notizen. Die Notizen habe er aber auch nicht mehr. zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung

Somit: Rechnen Sie damit, dass am Prüfungsverfahren Beteiligte wie Prüfer Fehler machen.


TIPP 
Es ist also klug, wenn wenigstens ein Beteiligter an der Prüfung - Sie als Student, Azubi, Anwärter - die Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung vorher gelesen hat. 
Und wenn Sie als Prüfling beim Lesen feststellen, dass die Ausbildungs- und Prüfungsordnung schwer oder erst gar nicht verständlich ist, dann nicht einfach beiseite legen. Es empfiehlt sich, einen Anwalt aufzusuchen und um "Übersetzung" zu bitten.


TIPP 
Für SchülerInnen und Eltern bedeuten diese Ausführungen: Schulgesetz und dazugehörige Verordnungen ansehen. 
Auch hier gilt, wenn Sie als Schüler oder Eltern beim Lesen feststellen, dass das Schulgesetz und die dazugehörenden Verordnungen schwer oder erst gar nicht verständlich sind, dann nicht einfach beiseite legen. Es empfiehlt sich, einen Anwalt aufzusuchen und um "Übersetzung" zu bitten.


* Prüfling ist als Oberbegriff für Schüler, Privatschüler, Studenten, Referendare, Azubis, Anwärter zu verstehen. Der eine Begriff erleichtert den Lesefluss.