Donnerstag, 8. Oktober 2015

wer macht die Diagnose?

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„Schuster bleib' bei deinen Leisten.“ sagt ein Sprichwort.

Wichtig ist es zu wissen, dass die Erzieher im Kindergarten oder die Lehrer in der Schule lediglich Hinweise auf eine mögliche Erkrankung oder Behinderung geben können, falls eine Erkrankung oder Behinderung nicht schon feststeht. Lehrkräfte in Schulen - auch in Förderschulen - sind in aller erster Linie ausgebildete Lehrer und keine medizinischen Fachleute.

Eine Diagnose und ein Therapievorschlag darf deshalb nur von ausgebildeten Fachleuten wie Ärzten, Psychologen oder Psychiatern gestellt werden.

Dass erkrankte oder behinderte Kinder und Jugendliche für eine Diagnose in die Hände von medizinischen Fachleuten gehören, hat auch der Hessische Verwaltungsgerichtshof deutlich gemacht:
"Da bei der Legasthenie Ursachen neurobiologischer und genetischer Art in Rede stehen, können Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten aufgrund einer Legasthenie prinzipiell nicht allein pädagogischer Ermittlung und Bewertung vorbehalten werden.
Bei konkreten Anhaltspunkten für eine Legasthenie bedarf es - zumindest wenn Ausgleichsmaßnahmen in der Sekundarstufe II beantragt sind - vielmehr in der Regel einer spezifischen Diagnostik der Störung und deren Ausmaßes durch fachlich qualifizierte Stellen, um der zuständigen Klassenkonferenz eine sachgerechte Entscheidung über die Erforderlichkeit und die Art weiterer Förderungsmaßnahmen zu ermöglichen.
Eine bloße Einschätzung der Fachlehrer, die kompensationsbedürftige Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten in Gestalt bzw. aufgrund einer Legasthenie verneint, stellt demgemäß kein der gerichtlichen Feststellung einer Legasthenie im Wege der Sachverhalts- und Beweiswürdigung entgegenstehendes unüberwindbares Hindernis dar."