Mittwoch, 11. November 2015

Algorithmus oder beratender Mensch? Was wählst du?


Während des Studiums taucht eine rechtliche Frage auf oder es ergibt sich ein rechtliches Problem. Was tun?

Klar, der Studi geht in der Suchmaschine auf Suche. Ist ja ganz einfach, "für 'nen Euro" kann man einen Download kaufen. Anträge, Mustertexte, - alles im Angebot, nur einen schnellen Klick entfernt.

Dann ist halt nur blöd, wenn die Download-Lösung nicht zum persönlichen Problem passt.
Bei einer Sportverletzung am Knie nimmt auch niemand Hustensaft ein.

Oder: Die Anmeldung zur Prüfung mit ausgedrucktem Zettel nach eingekauftem Download des Antrags ist nicht möglich, weil die Anmeldung zwingend und ausschließlich im Online-System der Hochschule nach Login mit eigenem Passwort vorgenommen werden muss.


Ein Rechtsanwalt kostet mehr. Ein Rechtsanwalt macht mehr.

Idealerweise sitzen Studierender und Anwalt in der Beratung beieinander. Der Rechtsanwalt schaut sich die Unterlagen an, die der Student mitgebracht hat.

Der Bescheid - beispielsweise "Bachelor endgültig nicht bestanden" - wird vom Anwalt Satz für Satz durchgelesen. Und dann schaut der Anwalt den Studi an und stellt ihm viele viele Fragen. Natürlich muss der Student daraufhin viele viele Antworten geben. Wir Juristen nennen das "Sachverhalt erfragen".


Was macht ein Rechtsanwalt / eine Rechtsanwältin sonst noch?

  • Er/sie schaut sich die Prüfungsakte an, das können schon einmal 76 Seiten sein, wie die Akte in einer aktuellen Prüfungsanfechtung.

  • Er/sie durchforstet die Datenbanken mit Rechtsprechung. Unter Millionen Gerichtsentscheidungen die zum individuellen Problem des Studi exakt passende zu finden - das ist Können.

  • Er/sie macht eine ausführliche Rechtsprüfung. Grundlage dafür ist die ganz persönliche individuelle Situation des Studenten, die er vorher ausführlich geschildert hat. Ohne geschilderten Sachverhalt und ohne Durchsicht der Unterlagen ist eine Rechtsprüfung nämlich gar nicht möglich.

  • Er/sie begründet den Widerspruch, das können dann schon einmal 7 Seiten voller Argumente sein (aktuelle Widerspruchsbegründung gegen nicht bestandenen Bachelor). 
Die Erhebung des Widerspruchs, das ist meist nur ein Satz, das kann der Studierende vorher auch selbst machen.

  • Er/sie kann auch mit dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses oder mit dem Richter telefonieren und für den Studenten ein gutes Wort einlegen.

  • Er/sie beruhigt den Studierenden, wenn es nervlich kaum noch auszuhalten scheint.

- > Erst untersuchen, dann Diagnose stellen.

Ähnlich geht ein Arzt an die Sache heran. Bevor ein Arzt ein Medikament verschreibt, hat er/sie beispielsweise den Patienten abgetastet, eine Blutprobe genommen, ein MRT veranlasst, danach die Bilder angesehen und und und.

Arzt und Anwalt unterscheiden sich kaum hinsichtlich der Herangehensweise.

FAZIT
- > Manche Erkrankung und manches rechtliche Problem eignet sich nicht zur Selbstbehandlung.