Donnerstag, 2. Februar 2017

Halbjahreszeugnisse und dann?


+++ aktuell +++
Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse steht an. Ich empfehle, sich schon zu diesem Zeitpunkt mit dem Thema Nichtversetzung oder Querversetzung auseinander zu setzen. Es ist nicht klug, bei schlechten Noten bis zu den Sommerferien abzuwarten und dann erst tätig zu werden.

→ Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse ist also ein guter Zeitpunkt, die Sache anzugehen. 

Beispielsweise: Nachhilfe buchen, sich in's Thema einlesen, sich vom Anwalt beraten lassen, Schule wechseln, freiwillige Wiederholung überlegen und natürlich rechtzeitig beantragen, etc.


Was sind Nichtversetzung oder Querversetzung? Eine Nichtversetzung oder eine Querversetzung ist die Folge einer schlechten Schülerleistung.

  • Bei einer Nichtversetzung wird die im Schuljahr zuvor besuchte Jahrgangsstufe wiederholt (Klasse wiederholen).
  • Bei einer Querversetzung steht der Wechsel der Schulform an (Wechsel Schulform). Es ist meist ein Wechsel von der Schulform Gymnasium auf die Schulform Realschule, mitunter auch auf die Schulform Hauptschule (soweit es diese in den Bundesländern noch gibt).
  • Querversetzung und Nichtversetzung können auch miteinander ausgesprochen werden. Beispielsweise kann ein Schüler der Jahrgangsstufe 6 eines Gymnasiums nicht versetzt und quer versetzt werden, mit der Folge, dass er das nächste Schuljahr in der Jahrgangsstufe 6 (= Nichtversetzung) und in der Schulform Realschule (= Querversetzung) zu besuchen habe.
  • Bei zweimaliger Nichtversetzung in derselben Jahrgangsstufe oder bei Nichtversetzung in zwei aufeinander folgenden Jahrgangsstufen hat der Schüler die besuchte Schule zu verlassen.


Nichtversetzung

Es ist zwar schon richtig, dass die Lehrkräfte die Aufgabe haben, die Leistungen eines Schülers zu ermitteln und dann zu bewerten. Bei der Leistungsermittlung und bei der anschließenden Leistungsbewertung können sich aber Fehler einschleichen, die vom Lehrer vergebene Note ist dann falsch.

Getreu dem Sprichwort: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler.

Fehler können bei der Leistungsermittlung passieren, auch bei der Leistungsbewertung oder in beiden Abschnitten.

Beispiele:
Ein Lehrer kann auch falsch gewichten, beispielsweise einer mündlichen Teilnote mehr Gewicht für die Gesamtnote zumessen als das Schulgesetz vorschreibt. Es kann auch der Fehler vorkommen, dass bei der Notengebung Nachteilsausgleich und Notenschutz nicht berücksichtigt wurden.

Einfach zu merken:
Sind die Zeugnis-Noten fehlerhaft, dann kann die Entscheidung „nicht versetzt“, die auf den Zeugnis-Noten fußt, auch nur fehlerhaft sein.


Entscheidung anfechten
Die Entscheidung der Schule "nicht versetzt" kann angefochten werden.
Damit wird der Wunsch deutlich gemacht, dass die vergebenen Noten und die darauf basierende Entscheidung der Nichtversetzung überprüft werden sollen.

Widerspruchsverfahren und Gerichtsverfahren sollen eben genau die Frage klären, ob bei der Notengebung "alles mit rechten Dingen zugegangen ist".


Eile ist geboten!
Für eine Anfechtung der Entscheidung "nicht versetzt" gelten Fristen, die unbedingt eingehalten werden müssen.

Um die Frage der Richtigkeit einer Nichtversetzung zu klären, haben Schüler und Eltern aber meist nur die 6 Wochen während den Sommerferien Zeit.

Am ersten Schultag des neuen Schuljahres muss nämlich klar sein, in welcher Jahrgangsstufe und in welcher Schulform der nicht versetzte bzw. querversetzte Schüler weiterlernen soll.

Allerdings ist das Widerspruchsverfahren als schwerfällig und langsam anzusehen, daher muss notwendigerweise das Gericht angerufen werden, das eine vorläufige Entscheidung in einer Art "Eilrechtsschutz" treffen kann.


zweimalige Nichtversetzung
Bei zweimaliger Nichtversetzung (derselben Jahrgangsstufe oder in zwei aufeinanderfolgenden Jahrgangsstufen) muss der Schüler seine Schule verlassen.

Im schlimmsten Falle kann ein Gymnasiast, wenn er zweimal in derselben Jahrgangsstufe nicht versetzt wird, einer Hauptschule zugewiesen werden.

In den zahlenmäßig meisten Fällen ist ein so bedingter Schulwechsel ein Abstieg.

→ Es kann daher als ein Muss angesehen werden, in einem solchen Fall die Überprüfung der Zeugnis-Noten und der Entscheidungen "nicht versetzt" beider (!) Schuljahre anzustrengen.


Querversetzung

Auch die Entscheidung der Schule "quer versetzt" kann angefochten werden. Damit wird der Wunsch deutlich gemacht, dass die vergebenen Noten und die darauf basierende Entscheidung der Querversetzung überprüft werden sollen.

Die Ausführungen zu Nichtversetzung passen – mit ein paar Abweichungen - auch hier.


Freiwilliges Wiederholen

Schüler und Eltern können aber auch der Meinung sein, dass die freiwillige Wiederholung einer Jahrgangsstufe sinnvoll ist. Dann müssen sie rechtzeitig einen entsprechenden Antrag stellen.

→ Der Zeitpunkt der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse ist eine gute Gelegenheit, sich über den rechtzeitig zu stellenden Antrag auf freiwilliges Wiederholen Gedanken zu machen.


Beurteilungsspielraum

Es ist anerkannt, dass es einen Beurteilungsspielraum eines Lehrers bei schulischen Leistungsbewertungen gibt.

Dies bedeutet, dass die Lehrer bei der Notenvergabe von Einschätzungen und Erfahrungen ausgehen, die sie im Laufe ihrer schulischen Prüfungspraxis bei vergleichbaren Schülern entwickelt haben und allgemein anwenden. Für vergleichbare Schüler müssen so weit wie möglich vergleichbare Prüfungsbedingungen und Bewertungskriterien gelten.

In den Verfahren wird nur geprüft,
ob gegen wesentliche Verfahrensregeln oder gegen Rechtsvorschriften oder gegen Grundrechte verstoßen wurde, oder ob gegen allgemein anerkannte pädagogische Grundsätze oder allgemeingültige Bewertungsmaßstäbe oder gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung der Schüler verstoßen wurde, oder ob von unrichtigen Voraussetzungen oder sachfremden Erwägungen ausgegangen wurde.


Beweisnot abwehren

Leider begegne ich immer wieder der Situation, dass Familien mir ein Zeugnis mit einer Note '5' in einem bestimmten Fach zeigen, die Familie sich aber sicher ist, dass im Laufe des Schuljahres in dem Fach doch gute Noten geschrieben worden sind, die Note mangelhaft erst einmal nicht erklärbar ist.

→ Daher ist es wichtig, dass Familien im Laufe eines Schuljahres selbst Aufzeichnungen machen.

Bewahren Sie mit der Schule oder mit den Lehrkräften Ihres Kinder ausgetauschte Mails auf. Nach einem Gespräch mit Lehrkräften Ihres Kindes fertigen Sie ein Gedächtnisprotokoll an.

Um bei der Anfechtung von Zeugnis-Noten nicht in Beweisnöte kommen zu können, empfehlen wir Schülern und ihren Eltern, selbst ein Notenblatt Notenliste zum Download zu führen und darin alle bekannten Einzelnoten jedes Schulfachs einzutragen und dies lange Zeit aufzubewahren.

In unserer heutigen modernen Zeit kann es auch schon weiter helfen, mit dem SmartPhone Fotos der gesamten Klassenarbeiten zu machen - zumindest ein Foto der Note, die am Ende der Arbeit steht.

In dem Falle, dass die Klassenarbeiten nicht an die Schule zurückgegeben werden müssen, dürfen Tests und Klassenarbeiten natürlich nicht weggeworfen, sondern müssen lange Zeit aufbewahrt werden.

Alle diese Maßnahmen können hilfreich sein, um im Falle einer Anfechtung von Nichtversetzung oder Querversetzung überzeugende Argumente vortragen zu können. Ihr Anliegen soll nicht pauschal mit der Aussage "unterfällt doch dem Beurteilungsspielraum des Lehrers" beantwortet werden.