Prüfungstipps


Prüfungstipps - (rechtliche) Tipps für die Prüfung

Während der Schulzeit, des Studiums, der Laufbahnausbildung oder der Berufsausbildung ergibt sich eine Situation, die eine enorme Auswirkung auf den Abschluss oder auf die Abschlussnote haben kann.

Wenn es also ums Ganze geht!

Wenn der Schüler (vielmehr seine Eltern), der Studierende, der Anwärter oder der Auszubildende in genau dieser Situation die (rechtlichen) Auswirkungen seines Handelns unterschätzt, wenn er falsch handelt, wenn er gar überhaupt nichts tut, dann erreicht er gar keinen Abschluss oder nur einen mit miserablen Noten.

Was hätte aus ihm/ihr werden können!

Regeln gelten für jede Prüfung.
Egal ob Mathematik-Klassenarbeit, Vokabeltest, Abiturprüfung, IHK-Prüfung, Modulprüfung, Bachelorprüfung, Masterprüfung, Zwischenprüfung, Laufbahnprüfung, Staatsexamen oder Facharztprüfung - immer geht es um die Bewertung einer erbrachten Leistung des Prüflings innerhalb eines festgefügten Verfahrens.

Die an dem Prüfungsverfahren beteiligten Schüler, Privatschüler, Abiturienten, Auszubildenden, (Beamten-) Anwärter, Studenten oder Referendare - Prüflinge eben - haben Rechte, aber auch Pflichten.

Beispiele
Die beispielhaften Fälle mögen Ihnen lang oder mitunter weit hergeholt vorkommen, aber die Beispiele illustrieren das Problem auf eine hervorragende Weise. Bitte lesen Sie daher auch die Beispiele.

Prüfungstipp 1: frühzeitig vorher informieren!

Die Gerichte in allen Bundesländern und in allen Instanzen sehen es seit Jahren so, dass der Schüler, Studierende oder Auszubildende sich vorab zu informieren habe, welche Regeln, Rechte und Pflichten für ihn/sie einschlägig sind.

Beispiel Schüler:
"Entscheidungserhebliche Gründe für eine vorrangige Berücksichtigung der Schülerin hat diese bei der Anmeldung nicht vorgetragen. Solche sind auch jetzt nicht ersichtlich."

Beispiel Studierende:
"sich rechtzeitig über die für das Prüfungsrechtsverhältnis geltenden Vorschriften zu informieren"

Beispiel Referendare:
"davon auszugehen, dass die Beamtin das rechtliche Ausmaß ihres Handelns kennt und sich ggf. zuvor beraten lassen hat."

sich rechtzeitig informieren, das rechtliche Ausmaß des Handelns kennen und sich ggf. zuvor beraten lassen

dies kann dem Schüler, Privatschüler, Abiturienten, Auszubildenden, (Beamten-) Anwärter, Studenten oder Referendar von der Ausbildungsstätte oder von dem Gericht entgegen geschleudert werden.

Der Ausspruch der alten Römer
"Ignorantia iuris nocet! / Unkenntnis des Gesetzes schützt vor Strafe nicht!"
passt auch hier.

Lassen Sie sich von Fachkundigen beraten, gehen Sie aber bitte nicht davon aus, dass Sie beim Lehrer, beim Professor oder beim Ausbilder eine Rechtsberatung bekommen.

Für eine fachkundige unabhängige Rechtsberatung ist die Anwaltschaft zuständig.

TIPP
vorher informieren, vorher informieren, vorher informieren.

Prüfungstipp 2: Prüfling, mache keine Fehler!

Ein Mißerfolg in einer Prüfung entsteht nicht aus dem Nichts.

In aller erster Linie muss ein Prüfling eigene Fehler vermeiden.

Wer als Prüfling allzu sorglos mit den vorgeschriebenen Regeln seiner Ausbildung und denen für die Prüfungen umgeht und ihm obliegende Mitwirkungspflichten nicht erfüllt, setzt leichtfertig den Erfolg auf's Spiel.

Beispiel:
Ein Prüfling geht in die Prüfung, sagt nichts, obwohl er krank ist. Durch die Prüfung am Vormittag fällt er durch. Am Nachmittag erklärt er keinen Rücktritt von der Prüfung, geht nicht zu einem Arzt oder Amtsarzt, es erfolgt keine medizinische Abklärung, folglich hat er auch kein medizinisches Attest.
Die Studiendauer verschiebt sich möglicherweise um ein Semester.
Oder es war sogar der letzte Versuch, dann flattert die Exmatrikulation in die Studentenbude.

TIPP
Es geht hauptsächlich darum, dass Sie als Prüfling eigene Fehler vermeiden.

Prüfungstipp 3: Fristen einhalten!

Es ist immer eine Frist bestimmt.

Für etwaige Fehler oder Störungen in Prüfungen gibt es unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten
(Verfahrens-) Rüge, Rücktritt, (Bewertungs-) Rüge, Überdenken-Begehren, Widerspruch (soweit im jeweiligen Bundesland überhaupt vorgesehen), Klage oder Rechtsmittel, Eilrechtsschutzverfahren -
wobei wiederum jeweils verschiedene Fristen gelten.

Eine Frist dauert
wenige Stunden, einen Tag, wenige Tage, eine Woche, zwei Wochen, einen Monat oder ein Jahr.

Vielfach lässt sich eine Frist bzw. Beginn, Ende, Dauer der jeweils einschlägigen Ausbildungs- und Prüfungsordnung (für Schüler dem Schulgesetz; für Azubis der Prüfungsordnung) entnehmen.

Gerichte haben die Begriffe (beispielsweise unverzüglich) in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen bzw. in den Schulgesetzen definiert.

TIPP
Bestehen Zweifel, wann die Frist beginnt, wann endet, wie lange die Frist dauert, so ist es sinnvoll, wenn der Prüfling sich rechtzeitig vor der Prüfung bzw. rechtzeitig vor dem angenommenen Ende der Frist beraten lässt.

Folgen einer versäumten Frist
Fristablauf und Untätigkeit haben den endgültigen Rechtsverlust zur Folge. Endgültiger Rechtsverlust bedeutet sehr frei übersetzt "man darf deswegen nie mehr motzen". Anfechtung und Beanstandung beispielsweise von "nicht versetzt" oder "nicht bestanden" sind für immer ausgeschlossen.

TIPP
Wenn für die Erhebung eines Widerspruchs die Frist von einem Monat bestimmt ist, dann müssen Sie den Widerspruch unbedingt innerhalb dieses Monats erheben.

Prüfungstipp 4: Prüfling, sei auf worst case vorbereitet!

Praxisfall:
Studi meldet sich im Online-System seiner Uni zu einer Klausur an.
Dann meldet er sich wieder ab, meinte er zumindest. Er vertraute nämlich darauf, dass das Online-System seine Log-Daten speichert.
Danach kommt "Post" von der Uni, dass die Klausur als nicht bestanden gilt, schließlich ist er trotz Anmeldung nicht zur Klausur erschienen.

Von seinem Bildschirm mit der Aktivität "anmelden/abmelden" hätte der Studierende ein Bildschirmfoto machen können. Diese Bilddatei kann man danach ausrucken oder abspeichern.

Mails, die mit der Lehrkraft, dem Professor, dem Studienbüro oder dem Prüfungsausschuss ausgetauscht worden sind, werden alle ausgedruckt und gewissenhaft aufbewahrt.

Oder wenigstens penibel abgespeichert (Sticks, Cloud).

Auch ein Streit über die Bewertung der Prüfungsleistung oder gar der Vorwurf der Täuschung in der Prüfung kann vorkommen.

Damit Prüflinge nicht in Beweisnöte geraten, empfiehlt es sich, Hausarbeit, Abschlussarbeit, Thesis sicher abzuspeichern (Sticks, Cloud).

Auch vorangegangene Entwürfe sollten immer wieder abgespeichert und lange Zeit aufbewahrt werden, sowie alle Unterlagen dazu - beispielsweise Konzeptblätter, "Schmierzettel", Kopien mit Unterstreichungen, Notizen.

Soweit Prüflinge die eigentlichen Prüfungsarbeiten behalten, nicht etwa die Schule oder das Prüfungsamt, müssen diese natürlich auch lange Zeit aufbewahrt werden.

Praxisfall:
Ich höre leider oft von dem Fall, dass während der Bearbeitungszeit einer Hausarbeit der Computer kaputt geht oder durch einen Virus geschrottet wird.

Wer dann Hausarbeit, Abschlussarbeit, Thesis nicht auf Sticks und/oder in Cloud gespeichert hat, hat dann ein echtes Problem. Zudem kommt der Abgabezeitpunkt immer näher.

TIPP
Studierenden empfehle ich ... Diese wunderbare Erfindung mit Namen Bildschirmfoto oder neudeutsch Screenshot. Und zwar immer dann, wenn Sie beispielsweise im Netz eine Seite der Uni mit Klausur-Terminen ansehen, eine Anmeldung oder dann eine Abmeldung für eine Modulprüfung im Online-System vornehmen, oder oder oder.

Kurzum: Von allem Wichtigem zu sehen auf Ihrem Bildschirm machen Sie ein Bildschirmfoto, das Sie natürlich gut aufbewahren und auch in den nächsten Backup einbeziehen.

Nutzen Sie auch Stick und Cloud und sonstige App-Helferlein.

TIPP
Schülern empfehle ich ...

Prüfungstipp 5: Prüfling, lass' dir von Profis helfen!

Beispiel 1:
Lange vor einer Prüfung kann eine Studentin überhaupt nicht mehr schlafen, ihr ist schwindelig, sie hat Herzrasen, konzentriert lernen geht gar nicht mehr.
Statt einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen und abklären zu lassen, ob sie nur normal nervös ist oder schon krank, nimmt sie ein paar Pillen aus dem Drogeriemarkt ein.

Beispiel 2:
Eine Modulklausur wurde im Juni im letzten Versuch nicht bestanden. Im Juli erhält der Student unerfreuliche Post von der Hochschule, die mitteilt, dass der Studiengang endgültig nicht bestanden sei und die Exmatrikulation ausgesprochen werde.
Gleich fragt der Student bei Kommilitonen nach und googelt. Aus dem, was er von Mitstudierenden aufgeschnappt hat und aus den Inhalten einiger Suchergebnistreffer bastelt er einen Widerspruch und sendet ihn an die Hochschule.

Monat um Monat vergeht, von der Hochschule hört er nichts. Der vage in Aussicht gestellte Arbeitsplatzantritt im Herbst ist jedenfalls futsch, fehlt doch der Abschluss.

Im Februar dann endlich, das Wintersemester neigt sich dem Ende zu, trifft doch noch Post von der Hochschule ein. Der Widerspruch solle innerhalb einer Woche begründet werden, andernfalls wird er nach Aktenlage abgewiesen.

„Ich brauche keinen Arzt oder Anwalt - habe ich doch gegoogelt.“

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, sich bei körperlichen Beschwerden, seelischem Leid oder rechtlichen Problemen zunächst im Internet zu informieren. Allerdings sollte es nicht beim Ansehen der Suchergebnisse bleiben.

Mittlerweile eine Binsenweisheit:
Wenn man im Internet konkrete Beschwerden eingibt und danach in paar Treffern nachliest, kann man von harmloser Unpässlichkeit bis zum lebensbedrohlichem Krebs alles haben.

Der medizinische Psychologe Ernst Pöppel im FR-Interview über den Willen, das Beste aus sich herauszuholen, über Wissen und Bildung und über die Kreativität, die sich nicht im Internet finden lässt:

"[...] Das kann ich doch alles bei Wikipedia nachschlagen," war die Antwort einer Studentin.

"Darum geht es aber nicht beim Wissen von Tatsachen. Es geht darum, dass ich sie meinem Gehirn zuführe, damit das damit arbeiten kann.

Die Kreativität, also das, was wir aus den Tatsachen machen, ist nicht im Internet. Sie ist in unseren Köpfen. Dort wird Wissen verknüpft, dort entstehen Assoziationen, Ideen. [...]". zum Interview

Es ist ratsam, einen Arzt, Psychologen, Apotheker oder Anwalt zu fragen.

Der Arzt / Psychologe gibt nach eingehender Untersuchung Entwarnung oder stellt eine Diagnose mitsamt Therapiemöglichkeiten.

Der Rechtsanwalt geht auch nicht anders vor. Er macht nach Durchsicht der Unterlagen des Prüflings auf die persönliche Lebenssituation bezogene Vorschläge für Handlungsmöglichkeiten.

Arzt, Psychologen, Apotheker oder Anwalt ist also gemeinsam, dass sie alle ihr Handwerk gelernt haben, über langjährige Erfahrungen aus vielen Anwendungsfällen verfügen und daher die Fähigkeit haben, den für die tatsächliche Situation richtigen Rat geben zu können.

Misstrauen gegen einfache Lösungen von komplizierten Problemen ist angezeigt!

Oder um es in wenigen Worten auszudrücken:
"Mancher ertrinkt lieber, als daß er um Hilfe ruft."
von Wilhelm Busch, humoristischer Dichter, 1832-1908

TIPP
Wenn Sie alleine nicht weiterkommen, nehmen Sie Hilfe an und verlassen Sie sich auf "verknüpftes Wissen, Kreativität, Ideen" von Profis wie Ärzten, Psychologen, Apothekern oder Anwälten.


Azubis in der Prüfung / Berufsbildungsrecht

Der Auszubildende hat während der Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf Rechte und Pflichten. Wer als Auszubildender daher allzu sorglos mit den vorgeschriebenen Regeln seiner Ausbildungs- und Prüfungsordnung oder den Regeln des Landes-Schulgesetzes umgeht, setzt leichtfertig den Erfolg auf's Spiel.

Überwiegend wird die Berufsausbildung in Betrieben der Wirtschaft durchgeführt, hierfür gelten die Ausbildungsordnungen, diese geben nämlich die maßgeblichen Regeln für die betriebliche Berufsausbildung vor.

Bei Fortschreiten der Ausbildung wird dann auch die Prüfungsordnung wichtig, denn die Abschlussprüfungen bei der Industrie- und Handelskammer IHK oder der Handwerkskammer HWK stehen zum Ende der Ausbildung hin an. Die jeweilige Prüfungsordnung regelt beispielsweise was zu tun und was zu beachten ist, wenn ein Auszubildender vor der Prüfung krank wird.

Die Theorie wird an Berufsschulen vermittelt. Diese Prüfungstipps hier sind auch für die Klausuren in der Berufsschule hilfreich. Besonders Auszubildende kurz vor IHK-Abschlussprüfungen / HWK-Abschlussprüfungen sollten unsere Tipps anschauen.


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"Prüfling" in diesem Beitrag ist als Oberbegriff für Schüler, Privatschüler, Abiturienten, Studenten, Referendare, Auszubildende, Beamten-Anwärter zu verstehen. Der eine Begriff erleichtert den Lesefluss.

Die Regeln sind im Kern gleich. Beispielsweise ist Rücktritt wegen Krankheit unverzüglich zu erklären - egal ob ein Schüler vor der Klassenarbeit krank ist oder ob ein Studierender vor der Modulprüfung krank ist.